Navigation

Das Technoviking-Archiv

Das Archiv ermöglicht den Zugriff auf die Forschung zu einem der komplexesten und höchstwahrscheinlich best-dokumentierten Internet-Mem des letzten Jahrzehnts. Es wurde 2007 gegründet, nachdem sich das Video "Kneecam No.1" unter dem neuen Namen "Technoviking" zu einem viralen Phänomen entwickelt hatte und Fans begannen, das Video zu remixen und in unzähligen Variationen neu zu veröffentlichen. Heute enthält das Archiv weit mehr als 2000 Elemente mit 42 GB Daten in Form von Bildern, E-Mails, Blogs, Forumsdiskussionen, Gerichtsakten, Fan-Objekten, Experteninterviews und eine Auswahl an Videoreaktionen. Die Fanvideos und -bilder sind in mehr als 60 Kategorien geordnet. Die Sammlung zeigt neue Wege der Produktion und Verteilung in nutzergenerierten Netzwerken und veranschaulicht Strategien der digitalen Remix- und Recycling-Kultur. Ursprünglich war das Archiv der Öffentlichkeit zugänglich. Aufgrund des Urteils im Fall 27 O 632/12 am Berliner Landgericht, wo die Persönlichkeitsrechte des Tänzers gegenüber der Kunst- und Meinungsfreiheit des Filmemachers überwogen, dürfen heute weder das Original-Video noch der Großteil des Archivs öffentlich gezeigt werden, ohne dass vorher das erkennbare Abbild des Technoviking-Tänzers ausreichend verfremdet wurde. Dennoch werden nach wie vor jeden Monat neue Remixe und andere Reaktionen auf das Video veröffentlicht. Die herausragendsten Beispiele werden weiterhin dokumentiert und im Technoviking-Archiv gesammelt. Eine Auswahl von Beispielen aus dem Archiv werden der Öffentlichkeit in Form von Mashups, Installationen, Vorträgen und einem abendfüllenden Dokumentarfilm zum Technoviking-Mem gezeigt. Eine Auswahl an Artikel zur Diskussion hinter dem Rechtsfall wurden auf dieser Facebook-Seite gesammelt.



Der Kontext

Das Technoviking-Projekt ist ein Beispiel für die Neuordnung, Bearbeitung und Umarbeitung eines "originalen" Video im Internet. Das Originalvideo wird in Analogie zu Genen „Mem“ genannt. Als solche beginnen das Original und seine ersten Klone innerhalb von sozialen Netzwerken zu zirkulieren, wo das Original mutiert und im Wettbewerb mit anderen Originalen und Variationen steht. Auf diese Weise reproduziert sich das Original-Video durch verschiedene Recyclingtechniken erfolgreich weiter. Somit hinterfragt das Technoviking-Projekt den Ursprung eines solchen Internet-Hypes. Nachdem es mehrmals durch eine Kette von Aktionen und Reaktionen verändert und gefiltert wurde, ist das beliebteste Ergebnis nicht mehr nur das Original, sondern das Original + n.

Das Potenzial der öffentlichen Aufmerksamkeit, die solche Clips erzeugen, setzt den Focus auch auf die Rolle, die Online-Giganten wie Google in einem solchen Prozess spielen. Der Mutterkonzern von YouTube stellt die technologische Grundstruktur nicht nur, um solche Kreationen zu initiieren und zu steuern, sondern auch um von solchen Schöpfungen zu profitieren. Während die Schöpfung auf "freie" sozialer Informationsnetze basiert, wird das Produkt durch ein großes Unternehmen kommerzialisiert. Auf diese Weise ist Technoviking ist ein perfektes Beispiel, um solche neuen Wege der Produktion, Verteilung und Nutzung innerhalb von nutzergenerierten Netzwerken zu veranschaulichen.