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Der Technoviking-Prozess

Jahrelang gab es Anfragen von Eventagenturen, Produktionsfirmen und Vertrieben, die daran interessiert waren, den Technoviking-Tänzer zu engagieren, aber niemand war in der Lage, seine Person ausfindig zu machen, nicht einmal der Filmemacher selbst.

Weihnachten 2009 schickte der Anwalt des Tänzers eine Abmahnung an den Filmemacher, um ihn bei der weiteren Veröffentlichung und Vermarktung des Filmes "Kneecam No.1" zu stoppen. Er argumentierte, dass das Video ohne seine Zustimmung produziert, veröffentlicht und für Merchandising verwendet wurde, dass er wegen des Technoviking-Phänomens Aufträge verliere und außerdem sein Abbild von politisch rechts orientierten Menschen missbraucht werden würde.

Zu dieser Zeit war der Clip bereits seit Jahren jenseits der Kontrolle des Filmemachers. Fans hatten längst Hunderte von Kopien veröffentlicht, die über die ganze Welt verstreut waren. Innerhalb von 2 Jahren, bis der Kläger seinen ersten Anwalt beauftragte, hatte der Filmemacher  insgesamt ca. 10.000 Euro im Zusammenhang mit dem Video verdient.

Dieser Betrag resultierte im Wesentlichen aus YouTube-Anzeigen und zu einem kleinen Teil aus TV-Lizenzen und T-Shirt-Verkäufen. Von Beginn der Verhandlungen an hatte der Filmemacher angeboten, alle Gewinne in Verbindung mit dem Internet-Mem zu teilen und zeigte sich offen, um eine beiderseitig lohnenswerte Auswertung des erfolgreichen Phänomens zu diskutieren.

Da der Tänzer kein Interesse zeigte, das Technoviking-Projekt gemeinsam fortzusetzen, um davon finanziell zu profitieren, stoppte Fritsch alle kommerziellen Aktivitäten, die mit dem Bild des Klägers verbunden waren. Das Original-Video auf YouTube blockierte er mit Überblendungen und nutzte Filmbilder, die den Protagonisten zeigten, nur noch offline innerhalb des Technoviking-Archivs. Trotzdem war es nicht möglich, einen außergerichtlichen Kompromiss zu finden. Im Frühjahr 2010 gab der Protagonist bekannt, dass er den Fall vor Gericht bringen werde. Fast drei Jahre lang geschah jedoch nichts. Ende 2012, kurz bevor der Fall verjährt wäre, verklagte der Tänzer schließlich den Filmemacher. Er forderte auch eine finanzielle Entschädigung. Der Prozess begann Mitte Januar 2013 in Berlin. Die Richter schlugen eine Einigung zwischen den beiden Parteien zugunsten des Klägers vor, die letzterer jedoch nicht akzeptieren wollte. Im Mai 2013 fällten die drei Richter am Landgericht Berlin ihr Urteil mit dem Ergebnis, dass es nicht mehr erlaubt ist, das ursprüngliche Video zu zeigen, solange der Protagonist darin nicht ausreichend unkenntlich gemacht wurde.
Für den Fall eines Verstoßes gegen das Urteil droht dem Filmemacher eine Strafgebühr in Höhe von bis zu 250.000 Euro oder bis zu 6 Monaten Gefängnis. Des Weiteren musste der Filmemacher alle bisherigen Einnahmen an den Kläger weiterleiten, mit Ausnahme von ca. 2000 Euro aufgrund eines Anspruchs des Sozialamtes der Heimatstadt des Klägers. Die Richter wiesen allerdings den geforderten Schadenersatz ab und zogen den Schluss, dass es dem Kläger im Grunde wohl lediglich um finanzielle Interessen ging, da er fast drei Jahre lang nicht konsequent versucht hatte, seine argumentierten Probleme zu beseitigen.

Ende Juli 2013 ging der Kläger gegen das Urteil in Berufung und brachte den Fall damit weiter vor das Berliner Kammergericht. Neben der Forderung nach Schadenersatz für seine persönlichen Leiden wollte der Kläger auch nutzergenerierte Reaktionen wie eine Technoviking-Comiczeichnung sowie die schwarze Silhouette eines bereits zensierten Screenshots aus dem ursprünglichen Technoviking-Video zensiert sehen.

Es dauerte über ein Jahr bis die sechs Richter sich entschieden, der Berufung des Tänzers nicht zu folgen. Daraufhin zog der Berufungskläger seine Berufung zurück, und das Urteil vom Landgericht wurde im Herbst 2014 rechtskräftig.


Rechtlicher Rat für Technoviking-Inhalte

Till Kreutzer von iRights.law erklärt, wie sich das Urteil auf Nutzer-Videos and andere Veröffentlichungen in Verbindung mit dem Technoviking-Mem auswirkt.

Lies eine Analyse des Gerichtsfalles auf iRights.info, wo auch das Urteil veröffentlicht wurde.

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